Gesundheit und Pflege im Badezimmer

Gesundheit und Pflege im Badezimmer

Interview mit Oliver Marx 

Erschienen in der Zeitschrift "Statement", einer Publikation des ZVSHK (Zentralverband Sanitär Heizung Klima). 

Das Sanitärhandwerk und seine Badspezialisten sind immer häufiger als SHK-Experten für anspruchsvolle Lösungen zu Komfort- und Pflegebädern im privaten Wohnbereich gefragt. Die damit einhergehenden Anforderungen überschreiten die bereits durch das barrierefreie Bad definierten Standards und Qualitätsnormen. statement befragt Oliver Marx, SHK- Unternehmer und Badexperte aus Lörrach, zum Ablauf von der Planung bis zur Installation eines Pflegebades. Die Marx GmbH bietet unter anderem Pflegebadlösungen für den häuslichen Bereich an.

Herr Marx, seit wann bieten Sie Pflegebadlösungen an? Wie sehen Ihre Erfahrungen mit dieser anspruchsvollen Bäder- und Sanitärleistung aus?

Oliver Marx: Seit Januar 2010 biete ich barrierefreie und pflegetaugliche Bäder an. Aus einer inneren Unzufriedenheit über meine berufliche Entwicklung begann ich mir darüber Gedanken zu machen, wie ich mehr Sinn und Freude in meinen beruflichen Alltag einfließen lassen könnte. Außerdem war es mir wichtig dafür zu sorgen, dass ich eine stabile Auftragslage für meinen Betrieb erreiche. Trotz bzw. neben den ideellen Zielsetzungen ist ein Unternehmen eben auch auf Gewinne und Wachstum angewiesen. Ich dachte nach und überlegte, was mir Freude macht und anderen nutzt. Schließlich fasste ich folgenden Entschluss: Ich wollte dafür sorgen, dass Menschen möglichst lange selbstständig zuhause leben können. Und ein Badezimmer, das den Bedürfnissen dieser Menschen im Alltag gerecht wird, hat maßgeblichen Anteil daran.

Ich mochte den Kontakt zu älteren Menschen schon immer. Auch mit solchen, die ein körperliches Handicap mit sich tragen. Dass ich mich für die Gesundheit anderer interessiere. Das hat sicher auch damit zu tun, dass ich seit 1998 mit Diabetes Typ 1 lebe, einen Bandscheibenvorfall und gebrochene Arme und Schultern hatte. Gerade im Badezimmer hatte ich dadurch einige unschöne Erfahrungen gemacht. Somit lege ich aus eigener Erfahrung sehr viel Wert auf ein möglichst sicheres, selbst- erklärendes Wohnumfeld.

Zudem sollten unsere Leistungen nicht mit denen anderer vergleichbar sein, ich wollte die Preise selbst bestimmen und von Bauträgern und Architekten unabhängig werden. Auch war es mir wichtig, ganz bewusst direkten Einfluss auf die Ergebnisse im Betrieb zu haben und selbst zu bestimmen, wie und wann wir welche Arbeiten für wen erledigen dürfen.

Die Initialzündung erfolgte 2009 während eines Fachforums bei Geberit. Ich fühlte mich einfach nur wohl in dem Thema „barrierefreies Bauen und Umbauen“. Innerhalb kürzester Zeit folgten diverse Aus- und Weiterbildungen, unter anderem bei der Handwerkskammer Düsseldorf und der Deutschen Gesellschaft für Gerontotechnik (GGT). Und natürlich der kalte Sprung ins Wasser, also in die Praxis. Es ging fortan darum, Erfahrungen zu sammeln.

Hat man sich dazu entschlossen, sich um die Wünsche und Bedürfnisse derer zu kümmern, die in gewohnter Umgebung so lange wie möglich sicher und komfortabel leben möchten, dann erfährt man Dankbarkeit verbunden mit dem guten Gefühl, einen wirklich sinnvollen Beitrag geleistet zu haben. Ich sehe das als einen ideellen Gewinn, einen Gewinn für das Seelenleben. Oft erleben wir Handwerker doch auch Unzufriedenheit, resultierend aus Preisvergleichen im Internet, Termindruck, unzureichender Wertschätzung, dem Gefühl, fremdgesteuert zu sein und einer manchmal unverschämten Zahlungsmoral.

Welche Qualifikationen und Standards sollte ein SHK-Unternehmer auf jeden Fall für die Realisierung barrierefreier wie pflegetauglicher Badkonzepte vorweisen?

Oliver Marx: Aus meiner Sicht besteht vor dem Erhalt von Quali kationen und der Einhaltung von Regeln und Normen die Notwendigkeit der inneren Bereitschaft, sich für die Bedürf- nisse älterer Menschen und Menschen mit körperlichen Einschränkungen aufrichtig zu interessieren.

Natürlich bietet der oft zitierte demografische Wandel dem Handwerk eine Möglichkeit, ein zusätzliches Geschäftsfeld zu erschließen, um Gewinne zu generieren. Reines Profitstreben darf dabei nicht an erster Stelle stehen, nicht als Mittel zum Zweck dienen. Erfolgreich positionieren kann sich hier nur der, der sich für den betroffenen Personenkreis öffnet und mit einer gehörigen Portion Einfühlungsvermögen auf diese Menschen zugeht. Hier ist Empathie ganz sicher in einem höheren Maße als bei herkömmlichen Kundenaufträgen und hand- werklichen Tätigkeiten gefragt. Eines muss klar sein: Sich das Thema Barrierefreiheit auf die Fahnen zu schreiben genügt nicht. Das lässt sich im Alltagsgeschäft nicht einfach so nebenher erledigen. Man muss dieses Thema leben und sich dabei auch auf Rückschläge gefasst machen. So anspruchsvoll und spannend, so vielfältig sind auch mögliche Lösungen und die Erwartungen der Kunden. Barrierfreie Badprojekte sind häufig richtig harte Arbeit.

Denn trotz der Normen und Standards gibt es keine Blaupausen, welche auf alle künftigen Komfort- oder Pflegebäder angewendet werden können. Hier rückt wieder der Mensch als Individuum in den Vordergrund. Es für einen Einzelnen so perfekt wie möglich machen zu wollen, das ginge ja noch, selbst wenn auch hier der Status Quo nicht über Jahre beständig bleibt, sondern sich ziemlich sicher verändern wird. Die Realität sieht so aus: Meist finden sich ein oder sogar mehrere Mitbewohner, die wiederum eine ganz andere Vorstellung davon haben, wie sie das Bad erleben und nutzen möchten. Selbst wenn für diese die Pflege eines in der Wohngemeinschaft lebenden Menschen am Herzen liegt.

Es ist aus meiner Sicht also auch wichtig, dem Kunden und sich klarzumachen, dass es DIE perfekte Lösung gar nicht geben kann, selbst wenn zum Beispiel Waschtisch und WC in der Höhe verstellbar sind. Normen und Standards geben uns Orientierung und Sicherheit bei der Planung und Umsetzung. Doch eine Garantie, dass deren strikte Einhaltung den Kunden glücklich macht ihm das Leben erleichtert – geben sie uns nicht. Glücklicherweise lassen sie uns jedoch im privaten Bereich ausreichend Spielraum für das individuelle und somit auch kreative Gestalten. Was dabei großen Spaß macht, ist das gemeinsame Erarbeiten möglicher Lösungen mit allen Beteiligten. Die Auseinandersetzung darüber sollten wir genießen weil wir uns als Fachleute nur so zum Wohle der Kunden weiterentwickeln können. Ein weiterer Vorteil: Unsere Kunden werden von An- fang bis Ende in den gesamten Prozess miteinbezogen. Deshalb muss es letztendlich immer ein auf die aktuellen Bedürfnisse zugeschnittener Maßanzug an Lösungen und Hilfen sein. Auch auf die Gefahr hin, dass dieser irgendwann mal nicht mehr passt.

Können Sie den Ablauf von der Beratung und Planung bis hin zur Installation eines Pflegebads kurz skizzieren? Was ist bei einem solchen Projekt besonders zu beachten, auch im Vergleich zu einer gängigen Badmodernisierung bzw. -sanierung?

Oliver Marx: Das Maßnehmen für diesen passenden Anzug beginnt bei uns mit einem ersten Termin vor Ort. Dabei werden die räumlichen Voraussetzungen und die technischen Gegebenheiten analysiert. Medizinische Notwendigkeiten werden erfragt und, ganz wichtig, sich so gut es geht in die Lage des Kunden hineinversetzt um zu erspüren, was genau seine Wünsche und Bedürfnisse sind.

Was wir im Anschluss daran klären, sind mögliche finanzielle Unterstützungen durch die KfW Bank oder die Krankenkassen. Es folgen erste Grundrissvarianten und deren 3D-Ansichten sowie die Auswahl passender Produkte und eine erste Kostenschätzung. Dieses Paket wird dem Kunden schließlich vorgestellt und wenn er sich für uns entscheidet, starten wir mit unserem Team aus erfahrenen Handwerken die exakte Planung und Umsetzung. Hierbei werden alle Gewerke von uns auf Grundlage eines möglichst exakten Terminplanes koordiniert und während der Ausführung überwacht. Nach der Fertigstellung übergeben wir ein sauberes neues Bad und weisen den Kunden bzw. die p egenden Personen in alle technischen Details ein.

Ein Pflegebad bzw. ein Komfortbad für das Alter zu verwirklichen unterscheidet sich also in einem hohen Maß von herkömmlichen Badlösungen, bei denen beispielsweise modernes Design und Wellness-Aspekte im Vordergrund stehen.

Bei barrierefreien Badumbauten und Pflegebädern im häuslichen Umfeld sollte unbedingt beachtet werden, dass sie aufgrund der oft- mals eingesetzten technischen Produkte nicht zu sehr in eine allzu klinische Optik abgleiten, wie wir sie oft in Heimen und Krankenhäusern vorhanden. Denn ein hoher Wohlfühlfaktor bedeutet höhere Lebensqualität im Alter und bei Pflegebedürftigkeit: Das warme, wohnliche Gefühl muss erhalten bleiben bzw. geschaffen werden. Auch dafür tragen wir als Badexperten Sorge.

Download des gesamten Beitrages:

Direkter Link zum Magazin-Download oder zur Seite des zvshk.de 


»Ein Pflegebad bzw. ein Komfortbad für das Alter zu verwirklichen, unterscheidet sich in einem hohen Maß von herkömmlichen Badlösungen, bei denen beispielsweise modernes Design und Wellness-Aspekte im Vordergrund stehen.« Oliver Marx

November 2017, Ausgabe 16

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Oliver Marx - Marx GmbH
Lörracher Straße 40 A
79541 Lörrach-Brombach

Telefon: 0 76 21 / 5 12 96

Mail: oliver.marx@marx-loerrach.de